Fische im Trüben

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24,00 

Elli Unruh

Erstausgabe
200 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2026!

Ein Roman, der uns auf lebendige, poetische Weise hineinzieht in das besondere Leben einer deutschen Minderheit in der Sowjetunion: ein leben mit eigener Sprache, mit besonderen religiösen und familiären Traditionen, ständig beobachtet und bedroht von einem atheistischen, totalitären Staat.

Artikelnummer 978-3-88747-420-1

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Categories: Belletristik, Roman

Beschreibung

Elli Unruh erzählt die Geschichte einer deutsch-mennonitischen Familie, die bis Ende der achtziger Jahre in der Sowjetunion, im südlichen Kasachstan, lebte. Sie taucht ein in die Zeit ihrer Vorfahren, Großeltern und Eltern. Einprägsam und lebendig schildert sie das Leben von Menschen, die durch den Lauf der Geschichte und ständig wechselnde Lebensumstände und -orte nicht mehr aus noch ein wissen, aber in Traditionen, Religion und eigener Sprache Halt finden.
Faszinierend lernt man eine ganz und gar fremde Welt kennen, fremde Lebensweisen, fremd auch, was das sowjetische System im Alltag betrifft mit der allgegenwärtigen Miliz und den »Bevollmächtigten«.

Geschrieben in einer einfachen, poetischen Sprache, die angereichert wird durch das Deutsch, das die Mennoniten aus Westpreußen nach Russland mitgebracht hatten – das Plautdietsch, das bis heute gesprochen wird. Das alles vor dem Hintergrund einer unbekannten, wunderschönen, fruchtbaren Landschaft mit riesigen Apfelplantagen, wilden Flüssen und weiten Steppen.

Leseprobe:
Zwischen Hügeln und Senken erschien immer aufs Neue der Fluss. bald wurde er schmal und tiefer, dann wieder flach und breit, verschwand sogar ganz, tauchte erneut auf und ergab sich zuletzt in seichten Tümpeln dem Sand. Dort, endlich, hielt der Gazik an. Nicht an einer besonderen Biegung des Wegs, an einem Stein oder einem Hügel – gerade, als es an der Zeit war, machte Onkel Hein den Motor aus. Weit genug, dass niemand sie sah und niemand folgte und nah genug, um noch vor Tagesanbruch wieder zuhause zu sein.
Sie hatten ein Netz aus Seilen dabei, anderthalb auf zwei Meter, zu beiden Seiten auf einen Stock gespannt, und zogen es dort, wo das Wasser ein bisschen tiefer war, senkrecht gegen die Strömung. Hecht kam herauf, auch Cheback und Jaz. Die Fische haben sie gleich dort aufgeschlitzt, ausgeweidet und von allen Seiten mit Salz eingerieben. Zwei Säcke mit zwanzig Kilo kamen schnell zusammen.

Pressestimmen

Susanne Lang rbb Radio 3
»Eine dringende Leseempfehlung! Elli Unruh erzählt unaufgeregt, ohne Verklärung, mit leichter Melancholie in einer poetischen aber auch lakonischen Sprache. Es sind Erzählungen aus dem Familienkreis und der Dorfgemeinschaft oder die Aufzeichnungen ihrer Urgroßmutter, die sie inspiriert haben. Diese Alltäglichkeiten fügt sie zu einem großen Geschichtspanorama zusammen und zeigt damit auf sehr eindrucksvolle Weise wieder einmal, welche Kraft Literatur entfalten kann. Es ist toll, dass sie für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert ist, denn sonst hätten den Roman viele Leser*innen sehr wahrscheinlich nicht entdeckt.«
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9.3.2026

Sebastian Priggemeier ntv
Neuer Lesestoff gesucht? Ein gutes Buch ist viel wert, aber gute Bücher zu finden – das ist gar nicht so einfach. Shortlists für Buchpreise sind ein hilfreicher Kompass für alle, die auf der Suche nach anspruchsvollem Lesestoff sind. In diesem Zusammenhang stellt er die Nominierten vor, darunter auch Elli Unruhs Roman »Fische im Trüben«.
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2.3.2026

Philipp Holstein Trierischer Volksfreund und Rheinische Post
Der Debütroman von Elli Unruh ist noch so ein Buch, dem man mehr Aufmerksamkeit wünscht. Die grandiosen Landschaftsbeschreibungen sollten gar nicht aufhören. Dazu passt die Sprache, die so eindrucksvoll ist, dass man in diesem Sound zu denken beginnt.
27.2.2026

MDR Kultur Buchkritik Ulrich Rüdenauer
Ein bemerkenswertes Debüt. Bemerkenswert ist der Roman in vielerlei Hinsicht: Da ist eine Welt, die sie beschreibt und die nur sehr wenigen Menschen bekannt sein dürfte. Aus 3 Perspektiven blicken wir auf eine Mennonitengemeinde, wir bekommen Einblick in eine von eigenen Riten und Traditionen geleitete Truppe, die in der Sowjetunion nicht wohl gelitten ist und sich gegen allerlei Schikanen wehren muss … Das eigentlich Besondere aber ist Elli Unruhs Ton. Sie erzählt mit traumwandlerischer Leichtigkeit und poetischem Gespür. Man kann kaum glauben, dass die Autorin nicht selbst dabei gewesen ist, aber gerade mit ihrer atmosphärisch-prägnanten Sprache schafft sie eine verschwundene Lebenswirklichkeit neu. Die kindliche Perspektive des neunjährigen Kocha, jenes seiner Tante Hedi, deren erste Liebessehnsucht ausgerechnet einem Russen gilt und die des alten Heinrichs. Es sind ganz unterschiedliche Wahrnehmungsweisen: Unbekümmertheit und Neugier, Sorgen und Wissen um die menschliche Grausamkeit, die gerade in den 1940er Jahren allgegenwärtig war. Nach und nach entsteht so ein Panorama, das Dunkle, die Anfeindungen, die Vertreibung, das lässt Unruh auf fast beiläufige Weise einfließen, aber es grundiert das Leben der Menschen.
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25.2.2026

Deutschlandfunk Kultur Wiebke Porembka
Vergleichsweise überraschend ist die Nominierung des Debüts »Fische im Trüben« von Elli Unruh, der im Programm des kleinen, seit mehr als vier Jahrzehnten unkorrumpierbaren Transit Verlags erschienen ist. Elli Unruh hat für ihren Roman eine klare, bildhafte Sprache gefunden, die sie allerdings durch russische Einsprengsel und vor allem durch Wendungen aus dem Plautdietschen, dem Dialekt der Mennoniten, zu einer eigenwilligen Kunstsprache verdichtet. Mit dieser Nominierung hebt die Jury einen Titel hervor, den es noch zu entdecken gilt.
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25.2.2026

Nominierung zum Preis der Leipziger Buchmesse 2026 Begründung der Jury
Gehen oder bleiben, sprechen oder so lange schweigen, bis keine Zeit für einen Abschied bleibt? Elli Unruh erzählt klug, ergreifend und ohne jede Romantik von einer besonderen Kultur und findet dafür eine unerhörte Sprache, die alles zusammenfügt, was der Roman vor unseren Augen ausbreitet. Damit erschließt sie uns eine Welt, die fremd und mittlerweile versunken ist. Im Roman leuchtet sie in einer lebenssatten Frische, die ihresgleichen sucht.

Frankfurter Rundschau Judith von Sternburg
»Fische im Trüben«, in den 1980er Jahren angesiedelt, erzählt mit Gelassenheit und großer sprachlicher Sicherheit vom Alltag in der Steppe. Das Sprachgemisch wird durch Einsprengsel plastisch, russische wie auch plautdietsche Begriffe. Die Kapitel sind lose, aber mit Geschick gefügt. Elli Unruh stellt eine Welt vor, die sie selbst nicht mehr kennt, sie hat recherchiert und ihren Verwandten tausend Fragen gestellt. Vielleicht gelingt auch dadurch diese nostalgiefreie Mischung aus Sinnlichkeit und Distanz. Die Poesie der Nüchternheit liegt über diesem souveränen Debütroman.
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13.1.2026

Bayerisches Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKRD)
Unter der Organisation des Bayerische Kulturzentrums der Russen aus Deutschland, dem Haus der Heimat Nürnberg sowie dem Literaturkreis der Deutschen aus Russland fand im 12.12. der erste Literatursalon im Haus der Heimat in Nürnberg statt. Elli Unruh stellte ihren Debütroman »Fische im Trüben« vor. Rührend und sehr authentisch erzählt sie die Geschichte einer deutsch-mennonitischen Familie. Aufgrund der geschilderten Ereignisse kann der Leser nachvollziehen, warum der Weg so vieler Auslandsdeutscher bzw. sogenannter Russlanddeutscher wieder in ihre Urheimat Deutschland führte.
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15.12.2025

DAZ Deutsche Allgemeine Zeitung Elli Unruh im Interview mit Artur Rosenstern
Die deutsche Mehrheitsgesellschaft kennt die Geschichten der eingewanderten Russlanddeutschen kaum, dabei dürfen wir die eigene Geschichte als Bereicherung begreifen, als einen Expertenstatus für einen Teil europäischer Geschichte, von dem die Mehrheitsgesellschaft höchstens eine Ahnung hat. Für mich ist das Schreiben ein Zustand zwischen Trotz und Hoffnung. Wenn ich die Zeit schon nicht aufhalten kann, dann will ich mich wenigstens nicht der Sprachlosigkeit darüber schuldig machen.
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7.12.2025

ekz.bibliotheksdienste Dorothea Trottenberg
Elli Unruh, 1987 in Kasachstan geboren, in Deutschland aufgewachsen, erzählt in ihrem Debüt über die Russlandmennoniten von politischer Verfolgung und Benachteiligung, vom dörflichen Alltag, von der Weite und der fruchtbaren Landschaft der kasachischen Steppe mit ihren Apfelplantagen und den fischreichen Flüssen am Fuße des Tian Shan-Gebirges – und all das in einem ruhigen, fesselnden Duktus, in einer Sprache, die unaufdringlich, aber eindrücklich durchzogen ist von „Plautdietsch“, dem Deutsch, das die Mennoniten nach Russland mitgebracht hatten. Breit empfohlen.
KW45/2025

NDR Kultur Annemarie Stoltenberg
Elli Unruh erzählt in ihrem hervorragenden Debütroman von einer Familie, die als Mennoniten ihre Heimat in Kasachstan verlassen hat. In ihrer poetischen Sprache versteht die Autorin diese Welt heraufzubeschwören. Die Trakehner Pferde, Esel, Hühner und Hunde spielen eine große Rolle – und die Menschen, die gegen Not und Hunger kämpfen müssen. Manche Dialoge schreibt sie in Plautdietsch, jener Sprache, die ein wenig wie altertümliches Deutsch wirkt und in Mennoniten-Gemeinden weltweit noch heute gesprochen wird. Manche Begriffe sind aus dem Russischen übernommen. So meint man, einen oft zärtlich sanften Erzählton zu hören in diesem auch handwerklich hervorragend gestalteten Band.
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18.11.2025

Perlentaucher Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk
»Als habe sie nie etwas anderes getan«, erzählt Elli Unruh in ihrem Debütroman – so lebensnah, so eindrücklich, so stimmungsvoll und unmittelbar, lobt Rezensent Jörg Plath. Die in Kasachstan geborene, in Süddeutschland lebende Autorin bleibt in Ton und Perspektive nah an ihren Figuren und deren Erleben, dabei bedient sie sich einer eigentümlichen Kunstsprache, einer Mischung aus altertümlichem Deutsch und russischen Entlehnungen – die Sprache der Mennoniten, lernt Plath, einer deutschsprachigen Minderheit im Russischen Reich, die in der Sowjetzeit jedoch zunehmend unter Druck geriet und schließlich von der Krim und aus dem Wolgagebiet, wo die meisten lebten, nach Sibirien und Kasachstan deportiert wurde. Davon und vom ländlichen Alltag einer kleinen Mennoniten Gemeinde erzählt Unruh, stimmungsvoll und dennoch frei von Sentimentalität, lesen wir. Ein ganz »erstaunliches« Debüt, so der beeindruckte Rezensent.
26.9.2025

Deutschlandfunk Kultur Jörg Plath
In ihrem Debüt erzählt Elli Unruh, die 1987 in Kasachstan geboren wurde, in Süddeutschland aufwuchs und im Deutschen Literaturarchiv Marbach arbeitet, als ob sie nie etwas anderes getan hätte. ›Fische im Trüben‹ erzählt von einer untergegangenen Zeit in einer ländlichen Umgebung in Kasachstan. Sentimentalität kommt dennoch nicht auf. Der Roman ist voller Konkreta und atmosphärisch dicht. Weil Unruh den Figuren meist nah ist und der Tonfall dem Mündlichen angenähert, entsteht der Eindruck großer Unmittelbarkeit. Er verdankt sich auch einer ungewöhnlichen Sprache mit altertümlichem Deutsch, dem Plautdietsch. Ein erstaunliches, ganz und gar ungewöhnliches Buch.
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Zum Podcast Die Kritik ist noch schöner
26.9.2025