Die Rückseite des Krieges. Literarische Reportagen

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20,00 

Andriy Lyubka

Deutsche Originalausgabe
176 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, mit zahlreichen sw-Abbildungen

Übersetzt aus dem Ukrainischen von Alexander Kratochvil und Johannes Queck

Ausgezeichnet mit dem Joseph-Conrad-Preis, dem wichtigsten polnisch-ukrainischen Literaturpreis, 2024

»Es ist eine Textsammlung wie eine Brücke zwischen uns Ukrainern und den anderen Europäern, brandaktuell und doch in die Geschichte weisend.« Ukrajinska Pravda

Originalausgabe: Vijna z tyl’noho boku,  Meridian Czernowitz, 2024
Und hier ein kleines Video, wie Wolodymyr Selenskyj dieses Buch auf der Kiewer Buchmesse am 30.5.2024 kauft.

Artikelnummer 978-3-88747-419-5

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Beschreibung

Andriy Lyubka schreibt in plastischer, spannend zu lesender, manchmal auch mit intellektuellem Humor bereicherter Sprache von Menschen an der Front und Menschen weit hinter der Front. Er begegnet Soldatinnen und Soldaten, freiwillige und eingezogene, er begegnet Frauen und Kindern, die sich plötzlich ohne Väter und Männer durchschlagen müssen, er begegnet Menschen aus unterschiedlichen Regionen, Roma, geflohene Tschtschenen, Familien, die nach Ausbruch des Krieges aus der Emigration in die Ukraine zurückgekommen sind – eine Gesellschaft, deren Leben sich durch den Krieg auch dort, wo er noch fern ist, sehr plötzlich und radikal verändert hat. Das Buch enthält viele persönliche Erlebnisse und kuriose Reisenotizen von den Fahrten des Autors an die Front und zurück in seine Heimat Transkarpatien. Es wird deutlich, dass nicht nur die Armee kämpft, sondern zahllose freiwillige Helfer, die tagtäglich an die Front fahren und ihr Leben riskieren, so wie Tausende von Angestellten der Eisenbahn, die trotz schlecht bezahlter Arbeit regelmäßig in die Städte an der Front fahren, obwohl die Bahnhöfe ein vorrangiges Ziel der russischen Raketen sind. Oder die Elektrikerbrigaden, die sofort nach einem Beschuss mit der Wiederherstellung von Umspannwerken und Stromleitungen beginnen.

Immer wieder muss Andriy Lyubka persönliche Grenzen überschreiten, er beobachtet Menschen, die ihre Berufe und ihr gewohntes Leben verlassen müssen und in eine völlig neue, gefährliche und bedrohte Existenzform hineingeraten. dieses Buch zeichnet ein Gesamtporträt der heutigen kriegsversehrten Ukraine, und es will Empathie für die verheerende Situation schaffen, in der die Menschen in der Ukraine leben müssen.
Ergänzt durch ein aktuelles Vorwort.

Leseprobe:
AUTOS
Dann kam die Sache mit den Autos, alles drehte sich um hundertachtzig Grad, und mein Leben wurde auf ein neues Gleis gesetzt. Und ich verspürte eine noch größere Erleichterung, weil die Autos groß und wuchtig waren und an der Front dringend gebraucht wurden. Man konnte sie nicht nur anpacken, sondern sogar mit ihnen fahren! Diese Fahrzeuge holten Verwundete aus dem Gefecht, brachten Munition zu den Stellungen und waren bei Vorstößen eine wichtige Hilfe. Meiner Meinung nach ist ein solches Engagement in dieser kritischen Zeit des Krieges weitaus nützlicher als ein patriotisches Gedicht oder eine Hymne, die den Kampfgeist stärkt; oder ein Artikel über die Wahrheit des Krieges, den ein paar Hunderttausend Dänen in ihrer Tageszeitung lesen; oder ein Bericht über den Schrecken der russischen Verbrechen auf irgendeinem deutschen Forum, wo das zufriedene Publikum im Anschluss entspannt ein Gläschen Wein trinkt.

Pressestimmen

ekz.Bibliotheksservice Claudia Niebel
Lyubkas Essays sind empathisch, zuweilen humorvoll, spannend, aber vollkommen pathosfrei. Im Zentrum steht das Leid der Menschen, die täglich ihr Leben riskieren: in der Eisenbahn, in zerstörten Umspannwerken oder Schulen. Wie in einer Fotokolumne bilden Texte und Bilder eine spannungsvolle Einheit, physisches und seelisches Leid (z.B. Porträt der getöteten Schriftstellerin Wiktoria Amelina) erzielen so nachhaltige Wirkung. Der Krieg findet noch im „Vorzimmer“ statt, ob er da bleibt ist ungewiss. Für uns inzwischen abgestumpfte Europäer eine aufrüttelnde Lektüre.
KW49/2025

Österreichischer Rundfunk Ö1 Brigitte Neumann
Eindrücklich sind Lyubkas Schilderungen, es ist eine Sammlung besonderer Erlebnisse und Erfahrungen des Freiwilligen Andriy Lyubka aus dem Kriegsalltag, ein Tagebuch. Westeuropa lebt seit 80 Jahren in demokratischen und friedlichen Verhältnissen. Wissen die Bürger diese Freiheit noch zu schätzen? So wie die Ukrainer das tun? Andriy Lyubkas Reportagen aus dem Krieg, die von großem Leid und großem Zusammenhalt künden, könnten dabei helfen.«
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7.11.2025

Deutschlandfunk Kultur Marko Martin
… Lyubka erzählt von den kämpfenden Mut dieser Zivilisten, aber er erzählt nicht in einer kämpferischen Rhetorik, sondern in einer ganz präzisen, feinen Prosa. Es gelingt ihm, den Leuten, die aus den Opfern die Täter machen, in ruhigen, präzisen Sätzen zu antworten, dies wird bei ihm nie zu einer wütenden Polemik sondern es führt zu einem ruhig, geradezu heroischen Beschreiben der Tatsachen, was die Ukraine erdulden muss. Ich würde das Buch all jenen empfehlen, die pseudo-pazifistische Appelle unterzeichnen und all jenen, die hier in Deutschland geradezu verzweifeln, ob der Hartleibigkeit vieler Menschen. Dieses Buch gibt Argumente auf der intellektuellen Ebene und es schärft unsere Fähigkeit zum klaren Denken und nicht zuletzt zur emotionalen Emphatie.
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4.10.2025

Frankfurter Rundschau Christian Thomas
An seiner Existenz als Autor zunächst zweifelnd, tritt Andriy Lyubka mittlerweile wieder auf Literaturveranstaltungen in Westeuropa auf, als Gast in grotesken Situationen, als Fremdelnder. Beheimatet in Transkarpatien, bringt er wie mancher Autor aus diesem Weltwinkel Humor mit, während er auf seine Weise Nachschub an die Front organisiert, sein Zuliefererbetrieb die Armee mit Kraftfahrzeugen versorgt. Lyubkas Texte entstammen dem Nukleus seiner unmittelbaren Umgebung, in der schließlich ›gar keiner mehr übrig war.‹ So erinnern denn Passagen an den verschleppten und ermordet aufgefundenen Kinderbuchautor Wolodymyr Wakulenko oder die durch eine Rakete getötete Schriftstellerin Wiktoria Amelina. Nicht wenige Nekrologe auf den Seiten, Opfer ›im engsten Kreis‹ werden betrauert, die eine oder andere Reportage dient als Porträt. Lyubkas Trotz mobilisiert ›eigene Kräfte und private Ressourcen‹ an einem konkreten Ort: ›im Vorzimmer Europas‹. Als handelte es sich dabei um Russlands Eigentum, beansprucht der Kriegsverbrecher im Kreml.
17.10.2025

Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ Gerhard Gnauck
Der Alltag im Krieg. Eine Begegnung mit dem ukrainischen Autor Andriy Lyubka«. Andriy Lyubka stellte in Warschau sein neues Buch »Die Rückseite des Krieges« vor, welches gerade auf polnisch heraus gekommen ist. Gerhard Gnauck von der FAZ hat ihn getroffen. Lyubka wollte keine Belletristik mehr schreiben, so lange der Krieg dauert. Stattdessen fährt er Immer wieder an die Front und versorgt die Truppen mit militärischen Fahrzeugen. »Aber zu Neujahr 2023 habe er plötzlich gespürt: ›Dieser Krieg hört ja nicht mehr auf. Und da entdeckte ich: Ich habe ein Problem‹«, und er begann dann doch ein Tagebuch in der Ich-Form zu schreiben. »Was er dem Publikum präsentiert, ist ein endloses Wechselbad der Gefühle. Beim Tagebuchschreiben habe er die Absicht gehabt, ›über Gutes zu schreiben. Ich wollte den einfachen, im Kitt anonym gewordenen Menschen ihr Gesicht, ihren Namen, ihre Geschichte wiedergeben.‹ Nun liegt das Tagebuch vor, Ende September erscheint es auch auf Deutsch im Transit Buchverlag.
9.9.2025