Beschreibung
»Um eine Beziehung zu einer Stadt aufzubauen, müssen wir sie als lebendes Wesen wahrnehmen, ihre besondere Eigenart, ihren Geist, ihre Identität und ihren Lebenszusammenhang verstehen. Über eine Stadt zu sprechen, bedeutet natürlich auch, über ihre Bauwerke zu sprechen. Doch Gebäude sind schweigsame Zeugen der Geschichte. Sie sagen uns wenig, wenn wir ihre Geschichte nicht kennen. Eine Stadt ohne historischen Kontext wäre nur eine gigantische Ansammlung von Materie.«
Ivan Klima
Leseprobe:
Das Wallenstein-Palais (Valdštejnský palác), die weitläufigste Palastanlage der Prager Kleinseite, nimmt eine Fläche ein, auf der zuvor sechsundzwanzig Häuser, vier Gärten und eine kommunale Kalkbrennerei gestanden hatten. Er hat eine Sonderstellung unter den Prager Stadtpalästen. Manche Fachleute sprechen sogar vom eindrucksvollsten europäischen Palast seiner Epoche. Albrecht von Wallenstein ist in dem Palais mehrfach abgebildet.Bezeichnend für den berühmten Feldherrn ist das Deckenfresko im repräsentativen, zweistöckigen
Saal des Palais. Auf diesem Gemälde tritt Albrecht von Wallenstein in Gestalt eines siegreichen Kriegsgottes auf, der eine Quadriga lenkt. Der Schöpfer dieser überhöhenden Darstellung, der italienische Maler Baccio del Bianco, machte sich über den von ihm porträtierten Mann keine Illusionen. Er vermerkt in seinen Erinnerungen, Wallenstein sei ein Mensch, »der im Laufe seines Lebens mehr Menschen hängen ließ, als in einem Jahrhundert geboren werden.« Zu dem Palais gehörten eine Reithalle sowie ein ausgedehnter Garten mit einer Voliere und einem großen Wasserbecken sowie Stallungen für dreihundert Pferde. Außerdem gab es in dem Palais noch einen Pferdestall, in dem ausschließlich Wallensteins persönliche Pferde untergestellt wurden und in dem sich Rinnen aus Marmor befanden.
