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Karbid

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Andriy Lyubka

Deutsche Originalausgabe
246 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

Aus dem Ukrainischen von Maria Weissenböck und Johannes Queck

This book has been published with the support of the Translate Ukraine Translation Support Program.
Dieses Buch wurde mit Unterstützung des Übersetzungsförderprogramms »Translate Ukraine« veröffentlicht.

»Eine rasante Tragikkomödie, die den jungen Autor als modernen,
ukrainischen Voltaire etabliert. Die Geschichte ist überreich an Komik,
was für den Spirit der ukrainischen Literatur so typisch ist.«
Los Angeles Review of Books

Originalausgabe: Karbid, Meridian, Czernowitz

Artikelnummer: 978-3-88747-430 0

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Auch bei Transit erschienen: Die Rückseite des Krieges. Literarische Reportagen

Categories: Belletristik, Roman

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Beschreibung

Wedmediw, eine fiktive ukrainische Stadt nahe der ungarischen Grenze, nach dem Maidan-Aufstand 2014. Tys Chvak, Geschichtslehrer, von seinen Schülern »Karbid« genannt, weil seine Fürze, die er regelmäßig von sich lässt, nach Kalziumkarbid riechen, ist Idealist und Aktivist. In den Kneipen, die er regelmäßig besucht, hält er gerne Vorträge über die Glanzzeiten der ukrainischen Geschichte. Eines Abends, als er nach einem Kneipenbesuch nach Hause wankt, fällt er in einen Abwasserkanal. Während er sich herauskämpft, überfällt ihn eine geniale Idee. Er eilt zu seinem Freund Ikarus, Ungar, Automechaniker und begnadeter Zigaretten- und Benzin-Schmuggler, und überzeugt ihn, einen Tunnel von Wedmediw nach Ungarn zu graben. Da die Ukraine nach dem Maidan-Aufstand nicht in die EU aufgenommen wurde, ist seine Idee, dass alle Ukrainer durch den Tunnel nach Ungarn gelangen und so Bürger der EU werden. Damit löst er große Begeisterung aus, viele packen mit an, wenn auch aus weniger edlen Motiven: der korrupte Abgeordnete wittert eine internationale Karriere, der Schmuggler sieht Massen von Zigaretten und Pakistanern durch den Tunnel ziehen, die Pathologin träumt für ihren Organhandel von neuer, reicher Kundschaft …

Leseprobe:
Ikarus streifte die Kronen der ersten ungarischen Bäume, verlor die Kontrolle, krachte gegen einen Baum und blieb wie eine angeschossene Ente zwischen Himmel und Erde hängen. Angelockt von Lärm und Rauch kamen von beiden Seiten Grenzbeamte und Zöllner angefahren, angeheitert von den Maifeiern. Sie trauten ihren Augen nicht: Vor ihnen hing kopfüber ein selbstgebautes Monstrum in der Luft, an dem Kartons mit der Aufschrift ›Marlboro‹ festgezurrt waren, und in der Mitte der Konstruktion steckte ein beleibter Onkel mit Motorradhelm und einer großen, mit Strass besetzten Damensonnenbrille.
Bei der Vernehmung gab Ikarus sich verwegen, er wies alle Vorwürfe des Schmuggels entschieden zurück und drohte dafür zu sorgen, dass alle gefeuert würden. Auf die Frage, wieso er dann sechs Kartons Marlboro am Flugzeug befestigt habe, das seien immerhin sechzigtausend Zigaretten, antwortete Ikarus ›Ich rauche einfach sehr gerne. Ich habe schreckliche Angst, mir könnten plötzlich die Zigaretten ausgehen, und ich könnte mir nirgends welche besorgen. Für alle Fälle eben.‹