Wo die Benjamins zu Hause waren. Verschüttete Erinnerungen

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Brodersen, Momme

Originalausgabe, 180 Seiten, gebunden mit Abbildungen

»Durch Momme Brodersen treten einzelne Gestalten aus dem Dunkel der Geschichte hervor und werden als Personen erkennbar. Das führt dazu, dass nicht nur ihre, sondern Geschichte überhaupt einsehbar wird.«
Michael Opitz, MDR

Artikelnummer: 978 3 88747 407 2

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Personenregister

Beschreibung

Mauern zum Sprechen bringen: Unter diesem Motto hat sich Momme Brodersen, ein intimer Kenner von Leben und Werk Walter Benjamins, eingehend mit der Geschichte eines Hauses im vornehmen Grunewald beschäftigt, das die Familie Benjamin fast ein Vierteljahrhundert lang ihr Eigen nannte. In seinem Buch geht Brodersen den Lebensspuren nach, die hier die ehemaligen Besitzer, aber auch ihre Einlieger und Besucher hinterlassen haben: denen des Bildhauers Harro Magnussen, der das Gebäude einst errichten ließ; denen des Rentiers Emil Benjamin, über dessen Leben und einflussreiches Wirken man hier viel Unbekanntes erfährt; denen seiner Kinder Walter, Georg und Dora, die, in schwierigen wie konfliktreichen Zeiten, entscheidende Jahre ihres Lebens in der Delbrückstraße verbrachten; und nicht zuletzt denen der geschiedenen Ehefrau Walter Benjamins, der Journalistin und Schriftstellerin Dora Sophie Kellner, und ihres gemeinsamen Sohnes Stefan Benjamin. Mit den Nazis wurden die Mauern stumme Zeugen vom Schicksal der jüdischen Besitzer und Mieter, die emigrieren mussten oder am Ende in deutschen KZ’s ermordet wurden. 1936 wurde das Anwesen arisiert. Sieben Jahre später legten es alliierte Bomber in Schutt und Asche. Alle Versuche der letzten jüdischen Eigentümerin, Dora Sophie Kellner, für den geraubten Besitz angemessen entschädigt zu werden, endeten mit einer »Wiedergutmachung«, die dieses Wort nicht verdient.

Leseprobe:
Kein Druckwerk, keine Plakette, kein Stolperstein macht heute auf einen Ort aufmerksam, an dem sich einst die Lebenswege und Lebenshintergründe einiger bekannter Persönlichkeiten der deutschen Geschichte kreuzten. Hier wohnten und wirkten in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts der Berliner Secessionist und Gerhart Hauptmann-Freund Carl Ebbinghaus, der Schriftsteller Walter Harlan (dessen weit berühmterer Sohn Veit, Regisseur des berüchtigten Nazifilms »Jud Süß«, hier seine frühen Kindheitsjahre verbrachte), der Pädagoge Theodor Dielitz (ehedem Leiter des Berliner Sophiengymnasiums), der international renommierte Zeichner und Bildhauer Ernesto de Fiori, der weit vor 1933 bereits zu den Nazis übergelaufene, alsbald aber auch von ihnen ins Abseits gestellte Philosoph Carl August Emge sowie die im »Tausendjährigen Reich« als »entartet« geltende Künstlerin Lidy Baronin von Lüttwitz. Zu den häufigeren Besuchern des Hauses gehörte kein Geringerer als der Kaiser des Deutschen Reiches, Wilhelm II., nebst Gattin, außerdem der österreichische Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal, der Reformpädagoge Gustav Wyneken, der Journalist der legendären »Frankfurter Zeitung« Siegfried Kracauer, der Erzähler Franz Hessel und viele andere mehr.

 

Pressestimmen

literaturkritik.de Walter Delabar

Der in Sizilien lebende Literaturwissenschaftler Momme Brodersen ist als Walter Benjamin-Spezialist hoch angesehen. In diesem Buch geht Brodersen darum, die Geschichten, die sich mit den Bewohnern des Hauses verbinden lassen, in extenso vorzuführen, weil das Haus als gemeinsamer Nenner keinen Unterschied macht. Und dennoch lässt sich mit einer solchen Umschau eben auch der Blick auf den Intellektuellen Walter Benjamin erweitern, zum Beispiel zeichnet Brodersen noch einmal nach, wie die mit Heine verwandten Benjamin nach Berlin kamen. Eine höchst lesenswerte Geschichte eines Hauses.
24.5.2024 Mehr lesen

 

Deutschlandfunk Kultur Elke Schlinsog
Das Buch schließt nicht nur Lücken in Walter Benjamins Biographie, sondern erzählt deutsche Geschichte, sogar Weltgeschichte. Dabei war akribische Recherche gefragt. Umso erstaunlicher, welche Details Brodersen zusammengetragen hat und damit viel Neues zu Tage fördern kann. Es ist mehr als eine Chronik der Benjaminschen Grunewald-Villa, mit dem Portrait des Hauses und seiner Bewohner in den Wirren und Verheerungen des 20. Jahrhunderts lässt Momme Brodersen deutsche Geschichte ganz konkret werden.
27.1.2024 Mehr lesen

 

Junge Welt Jürgen Schneider
Die Geschichte des Hauses, seiner Bewohner und Gäste, zeichnet Momme Brodersen nach. Eine solch blitzsaubere, vielerlei Aspekte einbeziehende Recherche ist in unserer postfaktischen Zeit längst zu einer Seltenheit geworden.
23.1.2024 Zum Artikel

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung Detlev Schöttker
… Momme Brodersen, der zwei Biographien über Benjamin veröffentlicht hat, legt nun ein Buch über das Leben der Familie in der Delbrückstraße vor. Durch die Nutzung von Archivmaterialien, Zeitungsbeiträgen und stadthistorischer Literatur kann der Verfasser viel Neues über die Geschichte des Hauses und seiner Umgebung mitteilen. Dazu gehört auch der Bauherr, der im späten neunzehnten Jahrhundert erfolgreiche Berliner Bildhauer Harro Magnussen, der das Haus um 1899 errichten ließ und hier drei Jahre später den deutschen Kaiser Wilhelm II. empfing.…
12.12.2023 Zum Artikel

 

Süddeutsche Zeitung Lothar Müller
Lothar Müller hebt hervor, dass weniger Walter Benjamin selbst als dessen Vater Emil im Zentrum des Buchs über die Villa in Berlin Grunewald, die die Benjamins in den 1910er und 1920er Jahren bewohnten, steht. Brodersen erzählt unter anderem von der Geschäftstätigkeit und der Kunstsammlung des Vaters, aber auch von dem schwierigen Verhältnis zum Sohn, der lange darauf bestand, vom Vater finanziert zu werden. Noch zahlreiche andere Bewohner des Anwesens tauchen auf, unter anderem Benjamins geschiedene Frau Dora Sophie Kellner, die die Villa nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten billig verkaufen musste.
2.1.2024 Zum Artikel