Nicht vorrätig

Vom Glück verfolgt

0 out of 5

20,00 

Dietmar Sous

Deutsche Erstausgabe
Ca. 120 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

Erscheint Anfang September 26

»Dietmar Sous hat sich als Chronist plebejischer Lebenswelten Kultstatus erschrieben. Seine lakonisch-komische, aber nie unter Pointendruck stehende Erzählprosa ist in der deutschen Literatur absolut einzigartig, noch dazu macht er Menschen zu Protagonisten, die in ihr viel zu selten eine Rolle spielen.«
Frank Schäfer, Rolling Stone

Artikelnummer: 978-3-88747-428-7

Download Cover

Außerdem bei uns erschienen: »Roxy«, 2017 »San Tropez«, 2020 »Bodensee« (vergriffen) und »16:0«, 2024

Categories: Belletristik, Erzählung

Nicht vorrätig

Beschreibung

Ob Großvater Hein, eine rheinische Frohnatur, mit Pappnase auf die Welt gekommen, im Mai 1939 mit dem Fahrrad von Stolberg zum Reichsjägermeister Göring nach Berlin fährt, um seinen erschossenen Dackel zu rächen, ob ein Kriegsdienstverweigerer von einem reichen Italiener bestochen wird, ihm heimlich eine tödliche Dosis Hennessy zu besorgen, ob ein vielversprechender Jungautor, zum ersten Mal auf der Buchmesse, in den achtziger Jahren von einem gewieften DDR-Autor um seinen Auftritt betrogen wird oder auf einem Trödelmarkt ein dramatischer Streit um ein Sachbuch namens »Mein Kampf« ausbricht – immer sind es Geschichten, die haarscharf an einer Katastrophe vorbeischrammen, die von gekonnt inszenierter Situationskomik nur so strotzen und doch immer, manchmal auch versteckt und unerwartet, das Quäntchen Glück servieren, ohne das unser Alltag nicht auszuhalten wäre.

Leseprobe:
»Am Morgen des zweiten Tages nach der Operation reichte Eugen Maggionni mir eine schriftliche Mitteilung, in der er mich bat, eine Flasche Cognac der Marke Hennessy VSOP zu besorgen und ihm durch den Nasenschlauch einzuflößen. In den Zettel hatte er einen großen Geldschein geheftet. Ich lächelte, aber er meinte es ernst. In Zeichensprache verlangte er Papier und Stift, schrieb: 100 DM Trinkgeld. Ich lande im Knast, sagte ich.
Am nächsten Morgen bereitete ich Eugens Frühstück zu. Flüssige Schonkost, langweilig wie Astronautennahrung. In einem Moment, den ich für unbeobachtet hielt, gab ich fahrig einige Spritzer Cognac zu der Pampe, versteckte die Flasche wieder in meinem Spind.
Es dauerte wenige Tage, und der Lottomillionär löste Alarm aus. Er war unzufrieden mit der verabreichten Dosis, trommelte aufgebracht mit beiden Fäusten auf seine Bettdecke, verlangte mindestens eine Viertel Flasche. Ich war geliefert, wenn das rauskam. Und es würde rauskommen, der frischoperierte, besondere Privatpatient wurde regelmäßig untersucht.
Maggionni kriegte wieder Luftnot, er zerrte an den Infusionsnadeln. Auf einmal war mir alles egal. Ich zog in der Umkleide die Nährspritze bis zum Anschlag mit Cognac auf, transportierte die Alkoholbombe wie im Nebel unter frischer Bettwäsche versteckt zum Bestimmungsort.
Die nächste Botschaft, in euphorischen Großbuchstaben verfasst, lautete: Danke, mein Sohn, du wirst adoptiert.«