Beschreibung
Ivan Klima schreibt über unbekannte, aber besonders schöne Ecken in Prag, über Paläste und deren frühere Besitzer, über die Sehenswürdigkeiten, über deren oft grausamen historischen Hintergrund man aber wenig weiß, über Menschen, die bis heute das Bild Prags prägen wie Albrecht von Wallenstein oder Franz Kafka, Vaclav Havel oder Alexander Dubcek, von dem Miteinander, oft auch Gegeneinander der tschechischen, jüdischen und deutschen Kultur, über Orte, die außerhalb Prags zu besichtigen sind, aber viel mit der Prager Geschichte zu tun haben.
Leseprobe:
» Palais Wallenstein. Dieser kolossale Palast auf der Prager Kleinseite nimmt eine Fläche ein, auf der zuvor sechsundzwanzig Häuser, vier Gärten und eine Ziegelbrennerei gestanden hatten. Bezeichnend für den berühmten Feldherrn ist das Deckenfresko des repräsentativen zweistöckigen Saales. Auf diesem Gemälde tritt Albrecht von Wallenstein in Gestalt eines siegreichen Kriegsgottes auf, der eine Quadriga lenkt. Der Schöpfer dieser überhöhten Darstellung, der italienische Maler Baccio del Bianco, machte sich über den von ihm porträtierten Mann keine Illusionen. Er gedachte seiner als eines Menschen, der ›im Laufe seines Lebens mehr Menschen an den Galgen brachte, als während eines halben Jahrhunderts geboren werden‹. Wallenstein ließ in seinem Palais auch eine Sternwarte errichten, denn als Kind seiner Zeit glaubte er, dass sein Schicksal von der Stellung der Sonne und der Planeten abhinge. Der geniale Astronom Johannes Kepler verfasste für ihn ein Horoskop. Ob Kepler selbst an seine Horoskope glaubte oder sich mit ihnen nur etwas dazuverdiente, sei dahingestellt.«
